Fabel N.C.
Irgendwann
hatte ich ein wenig die Nase voll von der Ärgerei mit unserem großen, bulligen
Schimmel und beschloss, mir ein handliches, unkompliziertes Pferd zum Ausreiten
zuzulegen. Da also Gänge, Abstammung etc. nicht mehr wichtig waren, dachte ich
mir: warum dann nicht wenigstens eine hübsche Farbe. Ich hab mir also z. B.
Schecken angesehen, sah aber vor allem schlechte Pferde (mit
zugegebenermaßen viel Farbe) zu einem viel zu hohen Preis. Dann kam ich
durch eine total nette Connemarastute von unserem Reitstallbesitzer auf diese
Rasse und suchte ab sofort ein Connemara. Ich besuchte einige Züchter, ABER:
ich wollte ein möglichst großes Conne, damit der „Umstieg“ nicht total
heftig ausfallen würde, es sollte schon eingeritten aber auch noch nicht zu alt
sein, der Preis sollte passen weil ich ja eh nur damit ausreiten gehen wollte
UND es sollte KEIN Schimmel sein. Also auf zu einer Besichtigungstour an einem
verlängerten Wochenende - und
schließlich, beim letzten Züchter meiner Liste in der Nähe von Bonn wurde ich
fündig: Eine furchtbar dicke, 4 ½ jährige, noch nicht eingerittene Falbstute
ohne Mähne und Schweif (sie hatte dank der üppigen Wiesen dort einen
Eiweißüberschuss und sich alles abgeschrubbt) mit gut 1,50 Stockmaß. Der
erste Kommentar bei ihrem Einzug ins neue Zuhause als Exot unter lauter
Warmblütern war "Die sieht ja aus wie ein Esel!". Warum ich genau SIE
wollte, kann ich eigentlich gar nicht mehr so genau sagen – gesucht und
gefunden nehme ich mal an. Einmal hab ich dann doch noch drüber geschlafen, von
wegen selber einreiten müssen (Hilfe! Angst!), für ein noch rohes Pferd doch
schon ein wenig alt, was tun wenn es doch kein Eiweissüberschuß sondern
irgendeine unheimliche Krankheit ist … aber dann hab ich zugeschlagen.
"Sie" hat natürlich auch einen Namen: Fabel N.C. von Grey Rock Bonner
aus der Ferry von Gonzales. Ich kenne fast ihre ganze Familie, denn mit der
Züchterfamilie Nover aus Stockhausen stehe ich nach wie vor in regem Kontakt
und dort stehen noch ihre Mutter, Halbschwestern und –brüder und ihren Vater
hab ich auch mal bei einem Ausflug in die Lüneburger Heide besucht.
Fabel ist also nun bei mir im Mühlviertel daheim, sie lebt in Offenstallhaltung
und ist uneingeschränkter Boss ihrer kleinen Herde. Vom Charakter ist sie ein
liebenswerter Dickkopf, meistens ziemlich cool und überlegen und nur ab und zu
bereit für kindische Einfälle. Beim Leben mit ihr stellt sich immer wieder die
Frage, wer hier jetzt eigentlich der Chef ist - aber wir haben das bisher noch
nie so richtig ausdiskutiert und so lebt jede von uns glücklich in der Meinung,
das alleinige Sagen zu haben.
Der erste
Frühling war total spannend – ich hab bis dahin wirklich nicht gewusst, was
1) ein „richtiger“ Winterpelz bedeutet und 2) dass sich ein Pferd derartig
umfärben kann. Im Dezember war sie noch ganz hell und flauschig, wurde
plötzlich dunkelbraun, ging über in dieses hübsche Talermuster und endete
schließlich bei goldfarben – ich bin tatsächlich öfters gefragt worden, ob
ich mir denn schon wieder ein neues Pferd gekauft habe …
Das Einreiten war total einfach und entspannt. Als erst mal der Sattel oben war
bin ich fast nur mehr gemütlich ausreiten gegangen, denn was gibt es besseres
für ein junges Pferd – und außerdem hatte ich sie mir ja sowieso zum
Ausreiten gekauft. Irgendwann hab ich dann mehr aus Spaß heraus probiert, ob
sie überhaupt am Zügel gehen kann – und wie sie das kann! Sie ist wirklich
ein Traum zum reiten. Vorne butterweich, vom Tempo gerade richtig, immer (na ja
sein wir ehrlich – meistens!) willig – es macht einfach total Spaß mit ihr.
In einem Sommer sind wir auch auf ein paar Turniere gefahren, A und L gestartet
(ich hatte nur die R1), schwubsdiwubs waren die Punkte für die RD2 da, wir sind
dann L/M gestartet und falls ich mich wieder zu solchen Aktivitäten aufraffen
kann werden wir uns wohl in die LP-Prüfungen stürzen.
Inzwischen ist Fabel schon 12 (wie doch die Zeit vergeht!) und nach wie vor die
beste, schönste und überhaupt.
Petra Froschauer