A.C. Tiny Chief

Seit gezählten sechs Jahren bereichert Tiny nun meinen Alltag. Eine Zeit die sowohl von Höhen als auch Tiefen geprägt war, wobei allerdings meistens – aber eben nur meistens - die positiven Aspekte in Erinnerung bleiben.

Nach einem Besuch auf Helga Auerbachs Gestüt war in einer Art und Weise sofort klar, dass nur er mein künftiges Pferd sein würde und sonst mit Sicherheit kein anderes. Und dann ging die Achterbahnfahrt sowohl der Gefühle als auch der der Stürze schon los: Der kleine Kerl hatte relativ sehr schnell bemerkt, wer jetzt das sagen hat und ein kleiner Tipp – es war nicht ich. Nach einer Zeitspanne von einem guten halben Jahr, in dem wir, sprich meine Eltern, meine Großeltern und ich jedes Wochenende ins weitentfernte Mühlviertel pendelten, beschlossen wir, dass die Zeit nun reif wäre, Tiny zu uns nach Steyr zu holen, was wir auch schließlich taten.

Die Reaktionen über mein Pferd/ Pony Kleinpferd waren im Heimatstall bunt gemischt – sie variierten von Lobeshymnen auf den kleinen feschen Prinzenschimmel bis zu Ausdrücken wie „kleiner Wetterballon“. Doch eines war trotz allem klar – er musste abnehmen.

Es gab auch bei uns zu Hause auch immer wieder mehr oder weniger kleinere Konflikte, die ich, als doch noch kleiner Stöpsel mit 11 Jahren, nicht bewältigen konnte. Doch mit der Zeit ging es bergauf, auf einmal wurde getan was ich sagte und ich stieg nicht mehr 5-mal pro Reitstunde unfreiwillig ab. Tja, und so steigerten wir kontinuierlich unser Leistungsniveau Jahr für Jahr mit der Hilfe von meiner Reitlehrerin und Stallbesitzerin Elisabeth Brandner und Herwig Radnetter, seines Zeichens Bereiter in der spanischen Hofreitschule.

Natürlich gab es immer wieder kleine Rückschläge, wie zum Beispiel meinen Oberarmbruch im Jahr 2002, entstanden natürlich wie kann es auch anders sein durch einen Reitunfall, wegen dem ich 3 Monate nicht im Stande war zu reiten.

2003 wurde die Reiterpassprüfung erfolgreich gemeinsam absolviert, sowie 2004 die der Reiternadel und 2005 schließlich die Lizenz RD1. Seit der Turniersaison 2006 sammeln wir Punkte für die RD2 und die A – Punkte haben wir uns bereits erritten.

Es ist wahrlich kaum zu glauben, aber zurzeit trainieren wir bereits Serienwechsel (2-er Flieger), Seitengänge, Kurzkehrt, Außengalopp etc.

Tiny hilft mir jeden Tag meine positiven Ansichtsweise in punkto Schule nicht zu revidieren und ist gleichzeitig ein Mitglied unserer Familie geworden. Und wie es in jeder anderen Familie auch vorkommt, hat man – Tiny und ich – hin und wieder kleine Meinungsverschiedenheiten, ein kleines Beispiel: die ewige Frage am Beginn des Trainings „Muss ich heute wirklich arbeiten?“ und nach einer kleinen Diskussion, die durch regelmäßige feine Paraden bewältigt wird, ist auf einmal klar – „Ja, wir werden heute hart arbeiten“. Mittlerweile rege ich mich nicht mehr über derartig kleine Motivationsprobleme seinerseits auf, da ich einen anderen Gesichtspunkt gefunden habe, der mich verständnisvoll reagieren lässt – der Vergleich zwischen Pferd und Schüler. Auch ich kann mich nicht jeden Tag voll konzentrieren und mein Bestes in der Schule geben, sei es durch etwaige Kopfschmerzen oder einfach durch Lustlosigkeit. Durch diese Vergleiche habe ich mehr über ihn und seine Denkweise gelernt, als es mir jemals anders möglich gewesen wäre.

Er ist ein fixer Bestandteil meines Lebens, der einfach nicht wegzudenken wäre.

Durch seine freche liebenswürdige Art ist er mir ans Herz gewachsen und zu einem Leben ohne ihm kann ich nur „Nein, danke!“ sagen.